Eigentlich ist es mir ja bewusst, wenn auch viel zu deutlich für meinen Geschmack. Es ist mir leidlich demnach viel zu deutlich bewusst, dass die Menschen einen übertrieben ausgeprägten Hang zur Dramatisierung, Schwarzmalerei, Verdummung, Idiotie und einer außerordentlich seltsamen Art von Kreativität an den Tag legen müssen, sonst würden sie wohl jämmerlich zu Grunde gehen. Und manchmal beneide ich sie um diese Kreativität, die so rein gar nichts mit Kunst oder dergleichen Produktives zu tun hat, sondern einfach nur damit, sich immer und immer wieder neue und sehr verzwickte Problemsituationen zu schaffen, wenn man denn sonst nichts zu tun findet. Ist zwar an sich nichts Gutes, aber immer noch besser als Langeweile. Und die Menschen leiden wohl recht oft an dem selben Übel, oder müssen unglaublich viel Zeit vom Tage über haben. Denn sie tuen oft kreativ sein. Naja, aber ich kann es wenigstens nachvollziehen, wieso man um jeden Preis dem Monster namens Langeweile entkommen will. Ich drehe stets am Rad, hin und wieder auch mal durch, wenn ich keine gute Beschäftigung finde. Naja, und ich will vermeiden, nochmal durchzudrehen, denn dann legt sich ein defekter Schalter um und es eskaliert. Das Schlimme ist, dass ich trotz aller Raserei noch immer sehe und verstehe was ich tue, doch denken ist dann nicht mehr möglich. So kommt es, dass ich bereits unzählige Taten begangen habe, auf die ich nie stolz sein kann. Und durch die ich auch leide, beinahe so, wie ein frommer Mensch unter einer Todsünde. Vielleicht sogar so, wie ein frommer Mensch an der schlimmsten der Todsünden leidet, beging er sie mal. Aber zeigt sich da nicht diese Dramatisierung, die ich so bei den Anderen hasse? Vielleicht gehe ich in der Sache zu streng mit mir um, vielleicht aber auch viel zu nachsichtig. Eher Letzteres würde ich behaupten, denn man darf, wenn man gern sich über die Defizite anderer aufregt oder gar lustig macht, nicht mit sich selbst schludern. Jemand, den ich einst für klug hielt, sagte mal, dass man gegen Gefühle nichts machen kann. Ich sehe das anders, auch wenn ich da eigentlich ein sehr gutes Beispiel zur Bestärkung seiner These anführen kann mit meiner großen Schwäche der Raserei. Aber ich untermauere das nur mit einem Argument, dem Argument, dass man dann an sich zu arbeiten hat, weil man noch nicht das Ziel erreicht hat, das Ziel zur Ausmerzung eben solcher Schwächen. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich diese Ausfälle in die Raserei damit zu begründen suche, dass die Dummheit anderer eben nunmal schmerzt, aber.. Ausreden zählen nicht, Sündenböcke haben keine Daseinsberechtigung. Es gilt allein nur, was im eschatologischen Waschzettel steht, Sheldon B. Kopp schrieb das Buch „Triffst du Buddha unterwegs..." und auf den letzten Seiten findet man ihn. Klinge ich frustriert? Ach was frag ich, mich interessiert die Antwort doch ohnehin nicht. Ja, ich klinge sicherlich arrogant und voreingenommen, aber gegen manch als negativ verschriehene Eigenschaft habe ich nichts. Manchmal muss man Rückgrat beweisen und sich eigene Regeln schaffen. Darin bin ich ungeschlagener Meister. Trotzdem ich ein ausgesprochener Fan der Logik und des Realismus bin, müssen die selbst erschaffenen Regeln keineswegs irgendeinem nachvollziehbaren Muster folgen. Hatten Regeln doch meist sowieso nie in der Geschichte der Menschheit und mir reicht mein Wissen, dass ich bei Bedarf durchaus der Logik und des Realismus mächtig bin. Es legitimiert vielleicht nicht, aber ich bin es leid, mich ständig zu rechtfertigen. Wem hat denn je eine Erklärung meinerseits interessiert? Mich wundert es zumindest nicht, dass das nie jemandem gejuckt hat, handhabe ich doch selbst mit anderen nicht anders. Da Sündenböcke keine Daseinsberechtigung haben und Entschuldigungen hinfällig sind... wozu dann nachfragen?
So, nun wird es mir mal wieder deutlicher bewusst, wie blöde doch der Mensch von Natur aus ist. Nein, das ist nicht garstig, das ist realistisch. Ich könnte nun einen gemütlichen Abend zu Hause verbringen oder im Labor.. aber das ist mir vergönnt. Stattdessen sitze ich in einer dreckigen und stinkenden Kanalisation fest. Und im Grunde ärgere ich mich nur über mich selbst, da ich nicht alles selbst gemacht habe. Das hätte natürlich mehr Zeit in Anspruch genommen, Pläne heraussuchen, welche schmieden.. So kann es gehen, wenn man sich auf andere verlässt. Selber Schuld. Meine Stiefel sind bereits ganz durchgeweicht, weil das Ausweichen auf trockene Landmassen hier unten nicht immer Möglich ist. Irgendjemand wird dafür noch leiden müssen, mein gutes Schuhwerk... Trotzdem ich seit mindestens 24 Stunden schon auf den Beinen bin, merke ich durch den Groll nicht den Ansatz von Müdigkeit, aber dafür jede Menge Übelkeit aufsteigen und tatsächlich sind die Hauptursachen gar nicht die Fäkalien, die an mir vorbeischwimmen oder die sich kaum bewegende Luft hier unten, sondern eben wieder dieser Groll. Meine Nase beginnt mal wieder zu laufen oder vielleicht tut sie es schon länger und ich realisierte es nur nicht. Dieser hässliche Vasomotorischer Schnupfen. Ich wünschte, ich hätte wenigstens Musik bei mir. Aber wer hätte gedacht, dass ich Zeit für so etwas haben werde? Nicht mal Gesellschaft läuft mir bei Fuß, aber die Sorte Gesellschaft, die ich mir wünschte, ist unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Wohl stelle ich zu hohe Ansprüche oder bin eben doch viel zu verkappt. Das kann man nur sagen, wenn man das mit etwas anderem vergleicht, dazu ist das Maß aller Dinge nötig und in solchen Belangen existiert es noch nicht. Vielleicht sollte ich mich dafür zur Verfügung stellen! OK, zugegeben, das war astrein arrogant gerade eben, aber ist doch wahr! Ohnehin bekommen alle Dinge nur dann einen positiven oder negativen Anstrich, wenn man sie mit den Maßstäben anderer vergleicht, und das ist wieder rum hinfällig. Allerdings gibt es durchaus Positives und Negatives, dass sich jedem Vergleich entzieht, es selbst hinfällig werden lassen, wie Sex und Fäkalien. Bitte Reihenfolge beachten! Wer auch immer entdeckte, dass Männer immer nur an das eine denken, war eindeutig ein Genie! Wieso kam mir der Gedanke nur nie selbst, ich, der ich in der Kanalisation mit fäkalischer Gesellschaft eben auf grade einen Vergleich mit Sex kam. Wunderbar!
Was das für ein abartiges Geräusch doch ist, sobald der Untergrund schlammiger wird. Nun war der Hauptgrund meiner Übelkeit doch die örtliche Lage meiner ... ich muss kotzen und tue es hiermit auch.


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