Freitag, 3. Oktober 2008

Way of Life

Unklar wieviel Zeit verging ist der Weg schon so lang gewesen und noch immer kein Ende in Sicht. Der Sound aus den Boxen klingt genauso dreckig, wie die von Zigaretten und Alkohol zersetzte Stimme der einzigen Gesellschaf, die du hast. Du warst dir nie sicher, wie ihr zueinander standet, und doch war es eigentlich immer offensichtlich gewesen. Egal wie hart die Zeiten waren, egal wie tief die Wunden, die seine Worte hinterließen, er war stets der Einzige, der dir die Hand reichte, wenn du in einem Loch stecken geblieben warst. Die Sonne geht unter und taucht alles in einem warmen Orange. Die Stimmung ist so friedlich wie schwermütig, du bist zufrieden und dennoch fehlt dir alles. Du kannst keinen Ansatz finden, um dich zu erklären, um die Situation, deine Ängste, Hoffnungen und Aggressionen zu beschreiben, deren Hintergründe, Gründe, Definitionen. Und selbst wenn, hört man denn auch zu? Der Bass der Musik mischt sich mit den tiefen Brummen des Dieselmotors, das Knistern der schlechten Aufnahme mit dem Rascheln des Rollsplitts auf der Karosserie, dein Atem verliert sich im Nichts, obwohl er schwer ist. Und obwohl dir tausend Dinge eifallen, die du ändern möchtest, bist du zufrieden. Vielleicht sogar in einer seltsam melancholich-gedämpften Art glücklich. Das Panorama, das sich vor euch erstreckt, spiegelt passender Weise alles irgendwie wieder, vereinzelte Niederlassungen menschlicher Zivilisation, gezähmte Natur, schwindendes Ökosystem, du kennst es nicht anders, nur sagte vielleicht mal ein Lehrer, das du nie einen gesunden Wald zu Gesicht bekommen wirst. Du wünscht, du wärst in einer anderen Zeit auf die Welt gekommen, nur hätte es für sie nichts geändert. Du schaffst dein eigenes Leben nicht in Griff zu bekommen, wie dann die Welt? Manche wurden geboren, um alles zu verändern. Du nicht. Aber das macht nichts. Sollte es nicht. Redest du dir ein. Möglicherweise bist du für einen kleineren Zweck geschaffen worden. Du könntest das Leben eines anderen ein wenig verbessern. Dein Blick wandert kurz zur Seite zu der einzigen Gesellschaft, die du je hattest. Du siehst, wie sein Kiefer arbeitet, Streß, seine Hände verkrampfen sich, während er das Lenkrad umklammert, die Brauen eng gen einander geschoben, als verbessere es die Sicht auf die Straße. Das könnte es sein. Ohne dich wäre er nicht. Nicht mehr. Und da bist du zu recht sicher. Er sagte es einst selbst. Wenn er Worte in den Mund nahm, war er sich stets deren Bedeutung im Klaren, nie sagte er etwas anderes, als das was er meinte. Das lehrten dir die Erfahrungen, die du mit und durch ihm machen konntest. Er war nie ehrlich aus Treue zur Wahrheit gewesen, eher aus reinster Faulheit, den Kopf dazu zu benutzen, sich Lügen, Ausreden und Rechtfertigungen auszudenken. Reinste Energie- und Zeitverschwendung, meinte er. Problem war nur, dass die Menschheit nicht dazu augelegt ist, Kommunikation auf Basis realer Wahrheit zu führen. Kam er deswegen mit kaum jemanden aus? Rastete er deswegen so schnell aus? In irgendwelchen, mitlerweile nicht mehr existenten Unterlagen hattest du mal was lesen können... Daran erinnerst du dich nicht mehr. Das nächste Lied hat genau die Wellenlänge deiner Gehirnströme und den Rhythmus deines Herzens und entfacht eine unglaubliche Dynamik, mit einem Mal verspürst du die wertvolle schöpferische Energie der Kreativität, die jeden Augenblick auch schon wieder verpuffen kann. Immer geschiet sowas, wenn du keine Gelegenheit hast, dich ihr hinzugeben, ihr zu frönen, ihr gute Dienste zu Leisten, sie umzusetzen. Dann lehnst du dich weiter zurück in den Sitz, schließt die Augen, atmest tief durch und genießt die berauschende loslösende Wirkung, die sich entfaltet, genießt auch seine Anwesenheit, es tut gut wie es ist. Manchmal leidest du unter so schnellen Wechseln der Emotionen und doch ist es kein echter Wechsel, denn die neutrale Schwermut hockt noch immer in irgendeiner Ecke deines Bewußtseins, nein, eigentlich in deinem Herzen. Im Kopf haben Emotionen nichts zu suchen, dort haben sie keine Luft zum atmen, keinen Boden zum Wurzelschlagen, keinen Raum zur Entfaltung. Du packst ihm einen Kuß auf die Wange, während er seine Aufmerksamkeit so krampfhaft an den Asphalt kettet. Er spickt für einen Moment irritiert zu dir, zieht einen Mundwinkel leicht hoch und zeigt in einem entspannenden Lächeln Zähne, ehe er wieder den Blick auf die Straße richtet. Die Furche zwischen seinen Augenbrauen glättet sich, der Kiefer arbeitet nicht mehr, es geht ihm besser. Wohl hast du ihn aus unbequemen Gedanken gerissen. Auch dich erleichtert es. Du siehst selbst wieder nach vorne, siehst dem Horrizont entgegen und wenn du genau hinfühlst, spürst du, dass ihr gegen den Rest der Welt erfolgreich kämpft.

Keine Kommentare: